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Es stand im BLICKPUNKT am Sonnabend, 17.Juli 2010
„Es geht weiter“
Emmel Airfield Dedelow: Gutscheine für Flüge bleiben gültig
| Dedelow. Fliegen können – wer träumt nicht davon? Petra und Frank Emmel haben sich diesen Traum erfüllt, sind Piloten, Fluglehrer –und Flugplatzbetreiber. „Piloten und Fluglehrer werden wir auch bleiben“, betont Frank Emmel. Die Firma Emmel Airfield Dedelow betreibt seit 2005 den Sonderlandeplatz Dedelow. Jedes Jahr starten und landen hier etwa 2.000 Flugzeuge oder Hubschrauber. Flugzeuge bis zwei Tonnen Gewicht und auch Antonows mit bis zu fünf Tonnen dürfen hier aufsetzen oder abheben, Modellsportler, Ballonfahrer, Ultraleichtflieger und Motorsegler sind ebenso willkommen wie luxuriös ausgestattete Firmenhubschrauber, die in der Stunde mal eben bis zu 5.000 Euro kosten. Rundflüge, Flugschüler, Touristen und vor allem Geschäftsreisende und Fotografen nutzen den einzig täglich frei anfliegbaren Flugplatz der Uckermark. Doch ab Oktober werden sie nach Pasewalk oder Anklam ausweichen müssen. Dann beginnt auf der Landebahn die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage: „Wir wollten ursprünglich das Flugplatz-angebot erweitern, die Landebahn für zweimotorige Maschinen verlängern, Arbeitsplätze schaffen“, berichtet Frank Emmel. Privat habe das Ehepaar, das aus den alten Bundesländer in die Uckermark kam, um sich den Traum vom eigenen Flugplatz zu erfüllen, seit der Übernahme in den Standort „rund eine halbe Million Euro investiert“, ohne Fördermittel in Anspruch zu nehmen. Das sei wohl ein Fehler gewesen: „Jetzt wollten wir richtig investieren und wachsen, haben neun Kommunalkombi-Stellen beantragt – alles abgelehnt“, berichten Emmels. Obwohl der Ausbau des Flugplatzes im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK) der Stadt Prenzlau aufgeführt sei, komme auch aus dieser Richtung keine Unterstützung. „Wenn man bedenkt, dass jeder hier im Umfeld mehr an einer Landung verdient als wir, oder dass die Arbeitslosigkeit in der Region bei 20% liegt, ist das schon sehr bedauerlich“, sagte Frank Emmel. Der kleine Familienbetrieb - „Einer fliegt, einer sitzt im Turm“ - sei am Ende seiner Kräfte: „Wir sind keinesfalls pleite, doch wir müssen wachsen, um die große Nachfrage erfüllen zu können, und haben uns deshalb nach neuen Standorten umgesehen“so Emmel weiter.In Pasewalk und Anklam sei man fündig und „geradezu mit offenen Armen empfangen“ worden. Nicht als Pächter oder Betreiber des Landeplatzes wolle man von dort aus das derzeitige Angebot weiterführen, sondern als Pilot und Fluglehrer und Vercharterer. Aus diesem Grund sollen bis zu zwei eigene Flugzeughallen zusätzlich errichtet werden. „in zweieinhalb Stunden in Frankfurt/Main, in 80 Minuten in Schweden, in einer Viertelstunde in Stettin – das ist für Touristen ebenso wie für Geschäftsleute zunehmend interessant.“ Zeit sei bekanntlich Geld. | Und auch den Bauplänen und neuen Arbeitsplätzen stehe man in Mecklenburg-Vorpommern sehr aufgeschlossen gegenüber: „Den Kommunen geht es auch nicht besonders gut, aber sie stehen zu ihren Flugplätzen.“ Um Planungssicherheit sei es den Eheleuten gegangen, als sie beantragten, auf dem Flugplatz in Dedelow eine Photovoltaik-Anlage zu errichten. Dafür musste der B-Plan geändert werden. Doch wieder stieß das Paar auf Gegen-wind: „Der Ortsbeirat hätte lieber eine landwirtschaftliche Nutzung gesehen. Doch das Land gehört uns, wir werden es auch nicht verkaufen.“ Ausgerechnet die „Stadt der Erneuerbaren Energien“ konnte sich mit der Idee der Emmels nicht anfreunden, stimmte der Umwidmung aber letztlich zu. „Das sehen wir allerdings nicht als Sieg, wir sind in der Uckermark heimisch geworden, bleiben auch hier, doch die Stadt und der Kreis sind weitere Verlierer – eine spätere Umwidmung zurück zum Sonderlandeplatz ist unmöglich“, so Frank Emmel – und die Uckermark ist damit ohne Flugplatz, denn den damit verbundenen Bürokratieaufwand werde sich niemand antun: „Die Tragweite der Schließung des Flugplatzes wird vielen erst in der Zukunft bewusst werden.“ Die benachbarte Fläche mit den Hallen, der genehmigten 20.000-Liter-Tankstelle, dem Turm und den Sozialgebäuden steht zur Verpachtung oder zum Verkauf: „Das wäre ein idealer Standort für die Stationierung eines Rettungshubschraubers“, findet Emmel, da alles fliegerisch notwendige bereits an diesem Standort vorhanden ist und eine Stationierung bei minimalem Kosten-aufwand realisierbar wäre. Die Dedelower und Prenzlauer Unternehmen, die maßgeblich vom Flugplatz profitierten, werden die Schließung wohl als Erste zu spüren bekommen. Auch, dass die LaGa-Gesellschaft lieber eine Fläche nahe der Stadt als Parkplatz befestigen und nach der Landesgartenschau wieder teuer zurückbauen lassen will, anstatt den Flugplatz dafür zu nutzen und einen Zubringer einzurichten, will den Emmels nicht in den Kopf: „Zu dem Wunsch eines Stadtverordneten, den Flugplatz doch erst nach der LaGa zu schließen, fällt uns nichts mehr ein.“ Doch das versierte Piloten- und Fluglehrer-Paar kann alle beruhigen, die noch einen Gutschein für Rundflüge oder Schnupperstunden im Cockpit ihr Eigen nennen: „Alle Gutscheine bleiben im Rahmen der aufgedruckten Gültigkeits-dauer im vollen Umfang gültig!“ Auch der Verkauf gehe weiter, auf der „Inkontakt“ in Schwedt habe man in diesem Jahr mehr Gutscheine verkauft, als in den Jahren zuvor zusammen. Nur ab 2011 müssen man dann eben vom neuen Abflugort starten, ob Pasewalk oder Anklam stehe derzeit noch nicht fest. Letztendlich ist jede Region für sich selbstverantwortlich und ihres eigenen Glückes Schmied. |
